Ethernet

versus WLAN

Hellseher-Blog

Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass Lags  ECHT ÄTZEND sind. Viele Spieler haben immer wieder Probleme mit plötzlichen Ping-Anstiegen, Lags und kompletten Verbindungsabbrüchen. Aber was wäre, wenn es eine schnelle Lösung für alle Verbindungsprobleme gäbe? Für manche Spieler gibt es die tatsächlich: Wenn du von einer WLAN- zu einer Ethernet-Verbindung wechselst, kann das gewaltige Auswirkungen auf deine Spielerfahrung haben.



Ich bin Viscarious, ein Produktmanager in Riots „Live Service“-Team. Vor circa sechs Monaten hatte ich in einem Spiel derart heftige Lags, dass ich beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Es war das letzte meiner Platzierungsspiele und ich hatte Sona gespielt. Unser Jungler ist gerade für einen Gank in die untere Lane gestürmt und unsere Jinx erwischte beide Gegner (Leona und Ezreal) mit perfekt platzierten Flammenfressern. Erstes Blut war zum Greifen nahe. Ich wollte gerade mit meinem Ult nachlegen, als mir die Lag-Götter ihre Macht demonstrierten. Im nächsten Augenblick war Jinx tot und der gegnerische Ezreal wurde immer stärker. Und ich konnte mich nur entschuldigen und der Versuchung widerstehen, meinen Router aus dem Fenster zu werfen.

In diesem Moment fragte ich mich: Könnte vielleicht meine WLAN-Verbindung für diese Probleme verantwortlich sein? Was, wenn ich nur ein Ethernet-Kabel an meinem PC anstecken müsste, um meinen rechtmäßigen Platz an der Spitze der Herausforderer-Rangliste einnehmen zu können? Um diesem Problem auf den Grund zu gehen (und weil das hier ein Hellseher-Blog ist), habe ich mir einige Daten genauer angesehen.


Wichtige Begriffe


Pingpong und Paketverluste

WLAN versus Ethernet: Durchschnittliches Ping-Delta

in Millisekunden

Wenn man sich die League-Spieler der ganzen Welt ansieht, fällt auf, dass der durchschnittliche Ping von Spielern mit einer WLAN-Verbindung zwischen 6,7 und 11,7 Millisekunden höher ist als jener von Spielern mit einer Ethernet-Verbindung.

Allerdings manifestiert sich das meistens nicht in einem permanent höheren Ping. Stattdessen macht sich der erhöhte Ping in Form von Ping-Spitzen bemerkbar. Dabei erhöht sich dein Ping in kurzer Zeit um ein Vielfaches und sinkt einige Sekunden später wieder (für gewöhnlich dann, wenn dein ganzes Team tot ist und der gegnerische Yi um deinen Nexus tanzt). Die obere Grafik zeigt weder den Grad noch die Dauer der Ping-Spitzen, sondern nur den durchschnittlichen Unterschied der Pings im Verlauf von mehreren Spielen.


WLAN versus Ethernet: Durchschnittliches Paketverlust-Delta

in Prozentpunkten

Außerdem haben wir herausgefunden, dass der Paketverlust bei Spielern mit einer WLAN-Verbindung zwischen 1,9 und 3,7 Prozentpunkte höher ist als bei Spielern mit einer Ethernet-Verbindung. Obwohl sich das nicht nach viel anhört, muss man zwei Dinge berücksichtigen:


1. Jedes Mal, wenn ein Paket zwischen deinem Computer und Riots Servern verloren geht, muss für dieses Paket eine erneute Anfrage gesendet werden. Der Paketverlust sollte möglichst gegen Null gehen, denn abhängig davon, wann ein Paket verlorengeht, könntest du einen letzten Treffer verpassen, deinen Ult nicht rechtzeitig aktivieren oder sogar den Baron zu spät zerschmettern (das war doch das Problem, oder Jungler?).

2. Diese Grafik zeigt, ebenso wie unsere Ping-Grafik, weder das Ausmaß noch die Dauer des Paketverlusts. Die Spieler bekommen Lags meistens dann zu spüren, wenn der Paketverlust plötzlich heftig ansteigt. Die 1,9 bis 3,7 Prozent sind nur der durchschnittliche Unterschied zwischen Spielern mit WLAN- und Ethernet-Verbindung im Verlauf von mehreren Spielen.



Wer spielt mit einer WLAN-Verbindung?

Aus reiner Neugierde heraus haben wir analysiert, wer mit Ethernet- und WLAN-Verbindung spielt, und sind auf ein paar äußerst interessante Ergebnisse gestoßen:

In manchen Regionen sind WLAN-Verbindungen wesentlich beliebter als in anderen. Während in Korea mehr als 90 Prozent der Spieler eine Ethernet-Verbindung haben, spielen mehr als die Hälfte der Spieler in Nordamerika und Ozeanien mit einer WLAN-Verbindung.

Prozent der gespielten Spiele nach Verbindungsart

nach Region

Das hängt sicher mit den fest verkabelten PC-Bangs in Korea zusammen, liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass wir NA-Spieler totale Ober-Noobs sind.

Aber in allen Regionen war zu erkennen, dass in Ranglistenspielen, verglichen mit ARAMs und normalen Spielen, mehr Spieler Ethernet-Verbindungen nutzen.

Prozent der gespielten Spiele nach Verbindungsart

nach Spielmodus

Am interessantesten war jedoch der Unterschied zwischen Ethernet- und WLAN-Verbindungen in der Rangliste. In allen Regionen nutzt ein größerer Prozentsatz der Spieler mit hohen Rängen eine Ethernet-Verbindung. Obwohl wir keine direkte Beziehung zwischen Ethernet-Verbindungen und einer Verbesserung deines Rangs feststellen konnten, ist klar, dass Spieler mit höheren Rängen eher mit einer Ethernet-Verbindung spielen. Ich schätze, das hängt damit zusammen, dass Spieler mit höheren Rängen alles in ihrer Macht stehende tun, um mit prächtigen, bewundernswerten, verkabelten Kampfmaschinen zu spielen.

Prozent der gespielten Spiele nach Verbindungsart

nach Klasse



Wie wirkt sich eine WLAN-Verbindung auf die Spielleistung aus?

Wir wissen zwei Dinge: 1) WLAN wirkt sich negativ auf die Verbindungsqualität aus und 2) ist es unwahrscheinlich, dass Faker jemals mit einer WLAN-Verbindung gespielt hat. Die nächste Frage lautet also: Hat deine WLAN- oder Ethernet-Verbindung messbare Auswirkungen auf deine Spielleistung?

Für diese Analyse haben wir beschlossen, uns eine Reihe von Gameplay-Metriken genauer anzusehen: Vasallentötungen (VT), erhaltenes Gold, T/T/U (KDA), Meisterschaftsstufen und das Sieg/Niederlage-Verhältnis. Dabei haben wir unsere Analyse auf Ranglistenspiele und Spieler eingegrenzt, die innerhalb der analysierten Zeitspanne mit einer Ethernet- und WLAN-Verbindung den gleichen Champion gespielt haben. Grundsätzlich wollten wir die Meisterschaftsstufe eines Spielers mit Fizz und einer Ethernet-Verbindung nicht mit seiner Meisterschaftsstufe mit Fiddlesticks und einer WLAN-Verbindung vergleichen (da sich der Ping auf einige Champs stärker auswirkt als auf andere).

Wir konnten keine endgültigen Beweise dafür finden, dass eine WLAN-Verbindung bestimmte Leistungsmetriken wie VT, T/T/U oder Meisterschaftsstufen negativ beeinflusst.
Unsere Analyse bezieht sich zwar nur auf Spieler in Nordamerika, die Ergebnisse sollten aber weltweit Gültigkeit haben.

 

Nach der ganzen Schwarzmalerei in Zusammenhang mit Ping-Spitzen haben uns die Ergebnisse doch überrascht. Egal wie wir die Daten auch betrachteten, wir konnten keine endgültigen Beweise dafür finden, dass eine WLAN-Verbindung bestimmte Leistungsmetriken wie VT, T/T/U oder Meisterschaftsstufen negativ beeinflusst.

Wir haben jedoch ein paar Hypothesen zu diesem Thema:

1. Lags aufgrund von einer WLAN-Verbindung können zwar negative Auswirkungen auf das Gameplay haben, diese treten aber nur unregelmäßig auf. Daher ist es schwierig, die Effekte innerhalb des Spielverlaufs zu isolieren (es ist sozusagen schwierig, das Signal bei dem ganzen Lärm auszumachen).

2. Spieler mit einer WLAN-Verbindung können sich wahrscheinlich an die Ping-Spitzen und den Paketverlust anpassen (und diese Probleme umgehen).

3. Da es in jedem Spiel noch vier weitere Spieler gibt, haben Spieler mit einer WLAN-Verbindung keinen großen Einfluss auf den Ausgang des Spiels, vor allem dann nicht, wenn auch im anderen Team Spieler mit einer WLAN-Verbindung sind.



Als wir die Beschränkung auf denselben Champion entfernten, fanden wir heraus, dass Spieler mit einer Ethernet-Verbindung 1,1 % bis 1,7 % häufiger gewinnen als Spieler mit einer WLAN-Verbindung.

Als wir die Beschränkung auf denselben Champion entfernten, fanden wir überraschenderweise heraus, dass Spieler mit einer Ethernet-Verbindung 1,1 % bis 1,7 % häufiger gewinnen als Spieler mit einer WLAN-Verbindung. Das verhält sich in allen Regionen gleich. Wir sind uns nicht ganz sicher, warum wir nach der Entfernung der Beschränkung auf einen Champion dieses Ergebnis erhielten. Eine Hypothese ist, dass wir uns aufgrund der Championbeschränkung für die beiden Verbindungsarten eher auf die Hauptchampions der Spieler konzentrieren. Wenn du mit deinem Hauptchampion spielst, gewöhnst du dich wahrscheinlich an die Ping-Spitzen, die durch eine WLAN-Verbindung entstehen, aber sie treffen dich härter, wenn du gerade einen neuen Champion lernst.


Ethernet versus WLAN: Siegesraten-Delta

in Prozentpunkten



Meine persönliche Erfahrung

Kurz nachdem ich dieses katastrophale Platzierungsspiel verloren hatte, öffnete ich meinen Browser und kaufte ein 15 Meter langes Ethernet-Kabel. Nachdem ich meine Katze aus dem Kabel befreit hatte, führte ich eine Netzwerkdiagnose durch und fand ein paar gravierende Unterschiede in der Verbindungsqualität von Ethernet und WLAN.

Verbindungsqualität der Spiele-Stichproben mit WLAN

Ping

Paketverlust

Beides

Verbindungsqualität der Spiele-Stichproben mit Ethernet

Ping

Paketverlust

Beides


VERBINDUNGSMETRIK WLAN-
STICHPROBE
ETHERNET-
STICHPROBE
Durchschnittlicher Ping 62,4 ms 38,2 ms
Durchschnittlicher Paketverlust 3,9 % 0,0 %
Jitter (Schwankung) 33,7 ms 0,21 ms
Ping-„Spitzen“ (>2x niedrigster Ping) 19 0
Paketverlust-„Spitzen“ (>15 % Paketverlust) 9 0

Mit der WLAN-Verbindung hatte ich ohne Zweifel einen höheren Ping, mehr Paketverluste und mehr Verbindungsprobleme. Besonders interessant war die Art und Weise, auf die ich den Lag wahrnahm. Obwohl es im Verlauf des Spiels immer wieder stabile Phasen gab, erlebte ich immer wieder kurze Abschnitte mit hohen Ping- und Paketverlust-Spitzen. In diesen Phasen fiel mir der Lag besonders auf.

Meine Erfahrung war ziemlich extrem, aber wie sieht es bei dir aus: Welche Erfahrungen hast du mit den beiden Verbindungsarten gemacht? Wie weit bist du gegangen (über 15 Meter?), um deine Verbindung zu verbessern, und hast du vor, nach diesem Post auf eine Ethernet-Verbindung umzusteigen?