ENTSTEHUNG: Ahri

von bananaband1t

Vom Wind-Samurai bis hin zu streitsüchtigen Yordle, alle 138 Champions von League haben irgendwo ihren Ursprung. Das ist Ahris Geschichte.

Vertraust du mir nicht?

Jeder Champion in League hat eine einzigartige „DNA“, und die hat nichts mit Biologie zu tun. Bei Champion-Design steht DNA für „Design“ (Gameplay), „Narrative“ (Thema und Geschichte) und „Art“ (Kunst). Diese drei Elemente sind die Bausteine für jeden Champion und die Designer stellen zusammen sicher, dass sie zusammenpassen und sich gegenseitig hervorheben. Das war jedoch nicht immer so. Vor Jahren war es üblich, dass man einen dieser drei Aspekte bevorzugte und die anderen um ihn herum gebaut wurden.

Ahri war einer dieser Champions, für den die Thematik als Fundament verwendet wurde.


Aus dem „Bericht über die Forschungen zu den Vastaya“

Das Ziel für sie war einfach: Die Geschichte des neunschwänzigen Fuchsgeistes sollte ins „League“-Universum integriert werden.

In ganz Asien gibt es Mythen, die sich um diese gerissene Kreatur drehen, und obwohl sie sich von Land zu Land unterscheiden, ist der Kern der Geschichte immer derselbe. In den Geschichten ist von einem magischen Fuchs die Rede, der die Gestalt nach Belieben verändern kann – meistens verwandelt er sich in eine wunderschöne Frau, die ihre Schönheit und ihren Charme dazu nutzt, ahnungslose Männer in ihr Verderben zu locken. Nachdem sie die armen Narren getötet hat, absorbiert der neunschwänzige Fuchs ihre Lebensessenz oder frisst ihre Leber, ihr Herz oder ihr Fleisch (abhängig von der Version).

Es war nicht leicht, Ahris Charakter anhand dieser Mythen zu entwickeln. Die Entwickler wollten schließlich nicht einfach eine bereits existierende Geschichte kopieren und in League einfügen. Ahri musste sich einzigartig anfühlen, auch wenn sie auf Mythen der realen Welt beruhte. Außerdem bestand das Risiko, Spieler durch eine zu ungenaue Umsetzung ihrer Geschichte zu verärgern. Der leitende Spieldesigner Colt „Ezreal“ Hallam sagt: „Zu Beginn spielten wir mit dem Gedanken, die unterschiedlichen Versionen ihrer Geschichte zu einem großen Ganzen zusammenzufassen, dadurch hätten wir jedoch die kulturellen Unterschiede der Erzählungen missachtet.“

Da Ahri zur selben Zeit wie die koreanischen Server veröffentlicht wurde, konzentrierten sich die Entwickler auf Kumiho, der koreanischen Version der neunschwänzigen Füchsin. Wenn sich Kumiho verwandelt, behält sie ein paar ihrer fuchsartigen Eigenschaften wie die Fellohren oder ihre neun Schwänze. Nachdem sie ihre menschliche Beute getötet hat, frisst Kumiho entweder deren Fleisch oder absorbiert ihre Lebensessenz (abhängig von der Geschichte). Kumiho ist meistens von Grund auf böse (wie die ursprünglichen, nicht glitzernden Vampire), daher bestand die Herausforderung bei Ahri darin, ihr einen sympathischeren Charakter zu verleihen. Der Autor Alex „Skribbles“ Yee sagt: „Man möchte sich mit dem Protagonisten identifizieren können, auch wenn man dafür böse sein muss. Wir mussten also einen Grund finden, warum Ahri tötet, damit ihr Charakter nachvollziehbarer wird.“

Ahri ist eine intelligente Füchsin, die gerne ein Mensch werden würde. Eines Nachmittags entdeckte die Füchsin die Überreste einer Schlacht zwischen Menschen und fand dort einen Mann, der im Sterben lag. Als seine Lebensessenz seine Lippen verließ, absorbierte Ahri sie instinktiv und wurde teilweise in einen Menschen verwandelt. Sie war unglaublich schön – und wusste um die Macht, die sie dadurch hatte. Sie nutzte ihren Charme, um Männer in ihr Verderben zu locken und absorbierte ihre Lebensessenz in der Hoffnung, zu einem richtigen Mensch zu werden. Aber ihre wachsende Menschlichkeit wurde bald zu einem moralischen Wegweiser und sie konnte nicht mehr töten, ohne Reue zu empfinden.

Diese Geschichte gab Ahri eine Motivation für ihre Morde, damit diese nicht nur auf reiner Grausamkeit beruhten – sie wollte unbedingt ein echter Mensch werden – ohne dabei den Kumiho-Mythos zu zerstören, auf dem sie basierte. Bonus: Ahri bekam ihren Namen (englisches Forum) durch eine Abstimmung koreanischer Spieler auf der „League of Legends“-Webseite. Sie hätte auch Nabi, Danbi, Ruri, Dasom oder Chorong heißen können, Ari setzte sich aber schließlich durch. „Ari“ bedeutet auf Koreanisch anmutig und elegant, das „h“ kam dann noch dazu, um ihren Namen einzigartiger zu machen.

Tödliches Bezaubern

Zu Ahris Fähigkeiten gehörten von Anfang an eine Kugel, das Bezaubern, Fuchsfeuer und eine Art Sprung. Diese Beständigkeit ist bei der Entwicklung eines Champions alles andere als üblich, aber da Ahris Fähigkeiten direkt auf ihrer Thematik basierten, gab es keine großen Änderungen. Die meisten Änderungen waren kaum spürbar und dienten nur dazu, ihr Fähigkeitenset so zufriedenstellend wie möglich zu gestalten.

Hier ist eine Liste von Ahris Fähigkeiten, für die uns kein besserer Untertitel einfiel:


Aus der Videosequenz „Ein neuer Morgen“

Bezaubern: Ahri konnte bereits vom ersten Tag an ein einzelnes Ziel bezaubern. Ezreal sagt: „Das war die eindeutigste, direkteste Verbindung zu ihrer Thematik. Sie musste die Leute dazu bringen können, sich in sie zu verlieben.“

Was sich verändert hat: Das Tempo, mit der bezauberte Champions auf Ahri zugingen, musste verringert werden (um ein Vielfaches), da sie die liebestrunkenen Marionetten einfach unter ihrem Turm laufen ließ.

Fuchsfeuer: In manchen Mythen konnte die neunschwänzige Füchsin im wahrsten Sinne des Wortes Feuer erschaffen. Meistens handelte es sich dabei jedoch um die Geister, die sie sammelte, was auch Ahris Fuchsfeuer zum Ausdruck bringen sollen.

Was sich verändert hat: Fuchsfeuer konnte ursprünglich hohes Gras durchleuchten, ähnlich wie ein Auge, technische Probleme machten dem aber ein Ende. Später hatte Ahri neun rotierende Fuchsfeuer-Flammen, die einzelnen Geschosse fühlten sich aber ziemlich unwichtig an, wenn man sie schnell abfeuerte. Ezreal sagt: „Mir hat die Idee, die Zahl Neun an so vielen Stellen wie möglich in ihr Fähigkeitenset zu integrieren, gut gefallen. Daher habe ich die passive Fähigkeit mit 9 Treffern entwickelt und Fuchsfeuer auf drei kontrollierbarere Geschosse reduziert.“

Geisterhast: Ahri wurde als Assassine entwickelt, die am Rande des Kampfes nach Möglichkeiten sucht, schnell zuzuschlagen, und ihre Vorwärtssprünge helfen ihr dabei, in wichtigen Momenten Gegner zu töten.

Was sich verändert hat: Die ursprüngliche Version von Ahris ultimativer Fähigkeit hatte eine unbegrenzte Reichweite. Sie musste ständig Mana aufwenden, um sich weiter fortzubewegen, aber wenn sie über einen Champion sprang, verursachte sie wahnsinnigen Schaden – sie wurde also praktisch zu Ezreals ultimativer Fähigkeit. Ezreal sagt: „Wir mussten ihre ultimative Fähigkeit aufgrund der Dominion-Karte ändern, was mit zu den Dingen gehört, die ich in ihrem Zusammenhang am meisten bereue.“

Später hatte Ahri einen dreiteiligen Sprung (ähnlich wie ihre aktuelle ultimative Fähigkeit) und ein Munitionssystem, das dem von Akali ähnelte, aber dabei sparte sie so gut wie immer einen Sprung zur Flucht in „Oh Mist, ich werde gegankt“-Situationen auf, und das machte keinen Spaß.

Kugel der Täuschung: Jeder Champion in League sollte eine klare Machtquelle haben, bei der es sich im Grunde um das Objekt oder die Technik handelt, die er im Kampf einsetzt. Sie ist offensichtlich, wenn jemand einen Bogen oder ein Schwert hat, bei einer waffenlosen Fuchsdame ist sie aber nicht ganz so leicht erkennbar. „Ahris Kugel war etwas, das die Spieler sehen und verstehen konnten. Außerdem konnten sie erahnen, was es damit auf sich hat – es ist ein Ball, also wird sie ihn wahrscheinlich werfen“, sagt Ezreal. Zusätzlich dazu verlieh die Kugel Ahri die Möglichkeit, den Champions im Spiel ihre Lebensessenz (auch bekannt als Leben) zu entziehen.

Was sich verändert hat: Ursprünglich blieb die Kugel am Zielort zurück und Ahri konnte sie erneut aktivieren, um sie wieder zu holen. Während der ersten Tests aktivierten die Spieler die Kugel dann in mehr als 90 % der Fälle sofort wieder, weshalb wir die Fähigkeiten gleich dementsprechend änderten. Früher hat sich ihre Kugel auch immer mit derselben Geschwindigkeit durch die Luft bewegt, aber das führte dazu, dass sich Ahris Fähigkeitenset in Tests zu schwach anfühlte. Daher veränderten wir ihr Tempo: Jetzt fliegt die Kugel schnell zu seinem Ziel und wieder zurück, verweilt auf maximaler Reichweite jedoch kurz in der Luft, um Ahri die Möglichkeit zu geben, sich neu zu positionieren und so maximalen Schaden zu verursachen.

Hin und zurück

Neunschwänzige Füchse setzen ihre Schönheit ein, um ihre Opfer zu verführen, darum war sofort klar, dass Ahri ein äußerst attraktiver Charakter sein musste. Der leitende Konzeptkünstler Paul „RiotZeronis“ Kwon sagt: „Als ich Ahri zeichnete, wollte ich aus ihr den schönsten, geheimnisvollsten und elegantesten Champion im Spiel machen.“


Ahris ursprüngliches Konzept


Zu dieser Zeit war RiotZeronis ein freier Angestellter, weshalb er per E-Mail eine Übersicht über Ahris Charakter erhielt und dann begann, eine fuchsartige Dame zu zeichnen. Er erstellte eine schnelle Skizze, da die Entwicklung rasch voranschritt, aber diese eine Zeichnung genügte, um die Richtung für die neunschwänzige Füchsin von League festzulegen. RiotZeronis sagt: „Von allen Champions, an denen ich gearbeitet habe, entsprach Ahri am ehesten meinem Stil. Sie wäre meine Waifu.“

Nachdem RiotZeronis seine Skizze fertiggestellt und ins Büro gemailt hatte, hatte er keinen weiteren Einfluss oder Informationen bezüglich Ahris Entwicklung. Er wusste nicht einmal, dass sich die Entwickler für seine künstlerische Richtung entschieden hatten, bis Ahri den Spielern vorgestellt wurde. (… blablabla, kleine Indie-Firma. Aber im Ernst, Riot war damals noch ganz anders.)

Von diesem Punkt an hätte eigentlich alles problemlos verlaufen sollen, dennoch wurde Ahri kurz vor ihrer Veröffentlichung noch einmal verändert, wie das originale Startbild zeigt.

Links ist das originale Startbild von Ahri zu sehen, rechts die finale, veränderte Version.

Fällt dir vielleicht etwas auf? Wie zum Beispiel der rote Teil ihres Kleids oder die Verzierungen auf ihren Ärmeln oder die Tatsache, dass sie BEINAHE KEINE OHREN GEHABT HÄTTE?! Und diese Fuchsschwänze waren nicht einmal echt—sie waren Teil ihres Outfits.


Was ist passiert?


Spielmodell von Ahris Kleid-Schwänzen

Diese Unterschiede waren teilweise auf technische Bedenken zurückzuführen. Es war nicht klar, ob es möglich ist, Ahris Fuchsschwänze im Spiel auf natürliche Weise mit ihrem Kleid zu verbinden, darum wurden sie als Teil ihres Outfits gezeichnet. Die Entwickler fanden schließlich jedoch Lösungen für die technischen Probleme, weshalb diese nicht der ausschlaggebende Faktor waren.

Der Hauptgrund dafür, dass Ahri ohne Ohren oder (echte) Fuchsschwänze entwickelt wurde, war, dass sie sich von den Mythen unterscheiden sollte, auf denen sie basierte. Während Ahris Entwicklung gab es jede Menge Bedenken und einige Rioter hatten Angst, sie würde nicht in Leagues Universum passen oder die Spieler würden die Grundidee hinter ihr nicht verstehen. Diese Unsicherheit führte dazu, dass Ahri die meisten ihrer fuchsartigen Attribute verlor, wodurch sie eher wie ein „durchschnittliches“ Mädchen als eine legendäre neunschwänzige Füchsin aussah.

Doch trotz des gemischten Feedbacks entschieden sich die Entwickler, zu ihrem ursprünglichen Design zurückzukehren. Ezreal sagt: „Es ist nur natürlich, etwas Einzigartiges entwickeln zu wollen, wir waren aber der Meinung, dass wir das aus den falschen Gründen versuchten. Schließlich entschieden wir, dass die Spieler die richtige Version der neunschwänzigen Füchsin einer künstlicheren Version vorziehen würden.“ Ahris unverkennbare Fuchsschwänze und Ohren kehrten zurück und seither streift sie durch die Kluft, bricht zahllose Herzen und absorbiert Lebensessenzen.


2 years ago

Suchwörter: 
Origins, Ahri

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