Champion-Einblicke: Ornn, der grummlige Halbgott

von bananaband1t

Ornn wirkt wie ein grummliger Großvater, den man einfach umarmen muss, obwohl man weiß, dass das eine schlechte Idee ist. Unter dem weichen Äußeren befindet sich ein Stahlarbeiter, der weder die Zeit noch die Geduld für Höflichkeiten hat. Er ist ein Halbgott, der schon einiges gesehen hat, und er will nichts mehr, als in der Einsamkeit seines Vulkans Hämmer und andere Dinge zu schmieden.

Oh, und er will pikante Kirschen und Ale – zwei Dinge, die ihm sicher wesentlich lieber sind als andere Leute.


Feuer, Anhänger und das ewige Versteckspiel

Ein Großteil dessen, was über Ornn bekannt ist, stammt aus alten freljordischen Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Ein Großteil ist in Vergessenheit geraten, aber die wenigen verbleibenden Geschichten erzählen von einem Halbgott, der es mit der Welt aufnehmen wollte. Ornn wollte nie gegen Lebewesen kämpfen, aber dafür machte er jeden Baum, jeden Eisberg und alle anderen natürlichen Landschaften dem Erdboden gleich. Nichts konnte den jungen Halbgott aufhalten, bis Ornn schließlich auf einen Berg einschlug, und sich dieser nicht bewegte.

Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen.

Die Herausforderung spornte den Halbgott an und Ornn rammte seinen Kopf gegen den Berg, bis dieser schließlich nachgab. Laut der Legende entstanden während dieses Wirbels alle Berge und Täler von Freljord. Als sich Ornn später beim Land für dessen Widerstand bedankte, öffnete sich eine Seite des Berges und enthüllte sein flüssiges Herz. Das Land erachtete Ornn für würdig und teilte mit ihm die Macht des Feuers. In den Flammen erkannte er einen mächtigen Auslöser für Veränderungen, genau wie er selbst.


Durch die Macht des Feuers und seine Begeisterung für die Schöpfung (und Zerstörung) wurde Ornn zum legendärsten Schmied in Runeterra. Und zusammen mit seinem Ansehen wuchs auch die Zahl seiner Anhänger. Die hingebungsvollsten unter ihnen waren einige Metallarbeiter – bekannt als die Feuerblütler – die sich am Fuße seines Berges niederließen. Obwohl Ornn es niemals zeigte, bewunderte er die Feuerblütler, weil sie still und fleißig daran arbeiteten, die besten Werkzeuge und Waffen herzustellen.

Leider meinte es das Schicksal mit den Feuerblütlern nicht gut.

Als Ornns Bruder Volibear von ihm verlangte, Waffen für seine eigenen brutalen Anhänger zu schmieden, weigerte sich Ornn. Der narrative Autor Matthew „FauxSchizzle“ Dunn sagt: „Ornn hat eine wesentlich menschlichere Herangehensweise an die Beziehung zwischen Menschen und Göttern und er wollte mit Volibears Kriegshetze nichts zu tun haben.“ Aber Volibear wollte ein Nein als Antwort nicht akzeptieren.

Und so brach das Chaos aus. Acht Tage lang schossen Blitze aus dem Himmel und aus dem einst ruhigen Vulkan trat Lava hervor. Die zwei Brüder kämpften voller Wut, die durch ihre lebenslange Rivalität angetrieben wurde. Als sich der Rauch lichtete, waren von Ornns Anhängern am Fuße des Berges nur mehr verkohlte Leichen in einem brennenden Dorf übrig, das durch die Schlacht der Halbgötter zerstört worden war.

Seither wurde Ornn nie wieder gesehen. Manche Freljorder glauben, Volibear hätte ihn getötet. Andere sagen, er lebe noch immer unter dem Vulkan und schüre die geschmolzenen Feuer der Erde oder schmiede eine Super-Waffe. Aber in Wahrheit entschied sich Ornn für die Isolation, um das Leben der Sterblichen zu erhalten. Er sieht, wie sich die Götter in das Schicksal der Menschen einmischen, und weiß, dass diese Einmischung tödlich enden kann. Der leitende Künstler Chris „Skeeziks“ Campbell sagt: „Die meisten Götter brauchen ihre Anhänger wie die Luft zum Atmen, aber er sagt immer nur: ,Bitte, folgt mir nicht’“.

Unter seiner schroffen Persönlichkeit ist Ornn eigentlich ein riesiger Teddybär, dem das Wohl anderer am Herzen liegt … aus sicherer Entfernung.


Ornn ist vielleicht nach außen hin hart, aber er ist kein schlechter Halbgott – sein Gesicht musste schroff aussehen, ohne dabei böse zu wirken.


Team Walross oder Team Widder?

Es kann schwierig sein, die Identität eines Champions festzustellen, solange es nur erste Konzepte von ihm gibt, da die meisten Champions einige Veränderungen durchlaufen. Aber Ornns Geschichte und sein Artwork waren bereits nach der Ideenfindung ziemlich nah am Endergebnis. Nach ein oder zwei Monaten wusste das Team, dass sie einen mächtigen, animalischen Halbgott aus Freljord erstellen wollen, der Dinge schmiedet und etwas mit Vulkanen zu tun hat. Das ist zwar speziell, aber auch der Grund dafür, dass man Ornn bereits in vielen der frühen Konzeptzeichnungen erkennt.


Das am hitzigsten diskutierte Thema während Ornns Entwicklung war wahrscheinlich, ob er Stoßzähne oder Hörner haben sollte. Anfangs hatte Ornn Stoßzähne wie ein Walross, was auch gut zu ihm passte – Walrosse wirken mächtig und aggressiv, ohne böse zu sein. Aber durch die Walross-Stoßzähne passte Ornn eher zum Meer als zu einem Berg. Wollige Mammuts lebten zwar in der Nähe der Berge, aber ihre übergroßen, gebogenen Stoßzähne würden Ornn beim Arbeiten mit dem Hammer stören … und Ornn ist Praktizismus sehr wichtig.

Die Widderhörner wurden immer interessanter. Widder leben auf Bergen und Ornn lebt in einem Berg (das kommt der Sache nah genug). Widder rammen ihren Kopf gerne gegen irgendwelche Dinge und Schmiede schlagen gerne mit ihren Hämmern auf irgendwelche Dinge. Außerdem hatte Ornn jetzt im Spiel eine Fähigkeit, die vom Widder-Konzept inspiriert wurde: Er stürmt auf seine Gegner zu und rammt sie in das Terrain. Irgendwie wurden Ornns Widderhörner zum Hammer und die Mauer zum Amboss … und der Champion, der dazwischen stand, wurde zum verformbaren Metall.


Ich brauche nur mich … und meinen Hammer

Da Ornn der erste Schmied in League ist, gab es viele mögliche Herangehensweisen an sein Gameplay. In anderen Spielen handelt es sich bei Schmieden häufig um NPCs, die nur dazu dienen, den Hauptcharakter auf seiner Reise zu unterstützen. Es stand nie zur Debatte, dass Ornn zu den Unterstützern gehören sollte. Spieldesigner Blake „Squad5“ Smith sagt: „Wir wollten keinen Champion kreieren, der Waffen herstellt, die seine Verbündeten verstärken. Ornn sollte ein mächtiger Vorkämpfer sein, der sehr gut alleine zurechtkommt.“


Ornn die Möglichkeit zu geben, überall auf der Karte Waffen – alias Gegenstände – herzustellen, passte perfekt zur Fantasie des Schmieds und des Top-Laners (man kann sich in Ruhe zurückziehen, während es auf der restlichen Karte rundgeht). Das passte zum Thema, war in League neu und strategisch interessant: Was bedeutet es, wenn ein Champion Gegenstände kaufen kann, ohne in die Basis zu müssen? Die größten Bedenken in Zusammenhang mit dem Gameplay war, dass er sich einen Vorteil zunutze macht, um immer stärker zu werden, indem er seinen Gegner auf der Lane vernichtet und das zusätzliche Gold ausgeben kann, ohne jemals seine Lane verlassen zu müssen.

Wäre Ornn ein Plänkler wie Riven oder Fiora, hätte diese passive Fähigkeit nie funktioniert. Er würde seinen Gegner auf der Lane einfach in Grund und Boden stampfen. Squad5 sagt: „Wir waren mit dieser Entscheidung zufrieden, da Ornn eher unsterblich wird, als seinen Gegner immer wieder zu töten, wenn er sich einen Vorteil erarbeiten kann. Dann verdrängt er dich vielleicht von der Lane, aber das sollte jeder Champion tun, wenn er sich einen Vorteil verschaffen kann.“

Da alle neuen Champions mehr als eine passive Fähigkeit benötigen, kann Ornn für sein Team eine kleine Sammlung überlegener Gegenstandsverbesserungen freischalten. Dadurch bekommt das Team einen Vorteil gegenüber seinen Gegnern, der sich zu Beginn zwar kaum auswirkt, aber in intensiven Spielen, die die Einstundenmarke überschreiten, eine große Rolle spielt. Squad5 sagt: „Ich habe versucht, die Gegenstände so cool wie möglich zu gestalten, ohne sein restliches Fähigkeitenset dadurch zu sehr zu schwächen.“ Es hilft, dass Ornn die passiven Werte nicht einfach verschenkt – er glaubt nicht an Werbegeschenke, darum muss man arbeiten, um sich die Waren zu verdienen.

Das ursprünglichste und außergewöhnlichste Element von Ornns Macht ist eine Verbindung mit Vulkanen, daher bestand seine ultimative Fähigkeit eine Zeit lang aus einem Vulkan, den er aus der Erde emporsteigen ließ. Anschließend konnte er seine Macht kanalisieren, wodurch der Vulkan Lava und Felsbrocken zufällig in alle Richtungen spuckte. Diese Idee führte zu einer anderen ultimativen Fähigkeit, bei der Ornn das Gegenstück zu Namis ultimativer Fähigkeit erschuf: eine Lavawelle. Squad5 sagt: „Ich möchte nicht lügen. Die Lavawelle war lahm und allein meine Idee, aber dann sagte das Team plötzlich: ,Was könnte es sonst sein? Ein Amboss? Etwas anderes?’“


Skeeziks übernahm die Lava-Idee und machte daraus einen glühenden roten Widder, den Ornn aus einiger Entfernung beschwören konnte. Das erste Feedback war ekstatisch. Als Squad5 dann noch dafür sorgte, dass Ornn den Widder mit einem Kopfstoß umlenken konnte, wusste das Team, dass sie die ultimative Fähigkeit gefunden hatten. Skeeziks sagt: „Wir haben eine ultimative Fähigkeit für einen Halbgott entwickelt. Darum musste sie sich episch anfühlen. Es musste sich um etwas handeln, dass auch nach Tausenden von Jahren die Geschichten von Freljord bestimmt.“

Wenn er könnte, würde Ornn wahrscheinlich auf die einzige ihm bekannte Art zustimmen:

Ist nicht komplett daneben. Aber mein Hammer ist besser.

2 years ago


Related Content