Wie wird man Profispieler?

von Riot Pente

(Autor: Laura Dietrich | Flashignite.de)

Habt ihr schon einmal daran gedacht eine Karriere als professioneller Spieler einzuschlagen oder vielleicht möchtet ihr euch verbessern und wisst nicht wie? Im Folgenden wird erläutert, was genau hinter einem Profi-Spieler steckt und wieso dieser so beliebt ist bei vielen, gerade jungen, League Fans. Aber auch die Schattenseite dessen wird beleuchtet. Zudem haben die beiden LCS Veteranen, Bora ‘YellOwStaR’ Kim und Henrik "Froggen" Hansen, Ratschläge für euch rund um das Thema “Wie wird man Profispieler”.

Was ist ein Profispieler?

Ein Profispieler ist nichts anderes als jemand, der Geld dafür bekommt, dass er spielt. Anders als beim Fußball, findet in der eSports Szene alles digital statt. Hier gibt es trotzdem noch zwei Arten von Profispielern: Die erste Sorte Spieler, wie die Teilnehmer in der LCS, können mit ihrem Gehalt ihren Lebensunterhalt bestreiten. Andere hingegen erhalten nur einen Bruchteil der Einnahnmen. Das würde zum Beispiel Spieler von kleineren Organisationen wie die ehemaligen EPS Gewinner, die deutsche Meisterschaft für League of Legends, Playing Ducks betreffen. Das Gehalt kann dann eher als Taschengeld während der Schule, Arbeit oder dem Studium gesehen werden und nicht als vollwertige Einnahmenquelle, mit der man das tägliche Leben finanzieren kann.

Wieso sind Profispieler so beliebt?

Der Beruf des Profi-Spielers ist gerade in der heutigen Zeit bei jungen Menschen sehr angesagt. Wer würde nicht gerne für das bezahlt werden, was er am Liebsten macht? Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass genau wie bei einem Fußballspieler, der Weg zum Profi schwierig sein kann. Mitunter gehört auch eine ordentliche Portion Glück dazu, damit man überhaupt an die richtigen Leute gerät oder diese auf einen aufmerksam werden. Dementsprechend können den Traum vom Profi wirklich nur die Wenigsten leben

Gründe, wieso man sich entscheidet in die professionelle Szene einzutauchen können verschieden sein. Marius "Blizer300" Hæsumgaard, Neuankömmling bei Meet Your Makers, verriet, dass er "es sich immer selbst beweisen wollte. Das Gefühl, dass Leute ihn erkennen und akzeptieren für das was er macht, war immer etwas was er selbst fühlen wollte." Ruhm, Anerkennung, Erfolg oder Geld fürs Spielen sind einige der vielseitigen Gründe, wieso gerade junge Menschen E-Sportler werden wollen.

Das Leben eines Profis

Das Leben eines Spielers ist nicht nur in der Anfangszeit hart. Um einen Platz in einem großen Team, das in der LCS spielt, zu bekommen, muss man zunächst entweder in dem High-Elo Bereich, Meister oder Herausforderer, spielen und sein Können beweisen oder bei Turnieren positiv auffallen. Oftmals werden gerade diese Spieler dann zu so genannten Test-Outs eingeladen. Das bedeutet, dass sie die Möglichkeit haben in einem Scrim, Testspiel gegen eine andere Mannschaft, mitzuspielen. So kann die Organisation schauen, ob der Spieler nicht nur als Einzelspieler, sondern auch im Team funktionieren kann. Sollte die erste Hürde gemeistert sein, gibt es oftmals weitere Testspiele in denen auf einzelne Fähigkeiten wie Kommunikation in der Mannschaft oder rollenspezifische Besonderheiten Wert gelegt wird.

Sollte ein Spieler es geschafft haben, einen begehrten Platz in einem LCS Team zu ergattern, dann steht ihm nun ein klar strukturierter Alltag bevor. Nicht nur, dass er im Schnitt 8-12 Stunden am Tag spielen wird, um seine Leistung zu halten und sich verbessern zu können, sondern auch Arbeit für die Organisation, Fantreffen, Interviews, Taktikbesprechungen oder die Spieltage stehen auf seinem Plan. Den Alltag kann man am Besten mit vier Wortenzusammenfassen: Eat-Play-Sleep-Routine. Chae "Piglet" Gwang-jin, ehemaliger SK Telecom T1 K Schütze und nun Team Liquid Mitglied, sagte in einem Interview, dass er bis zu 16 Stunden täglich trainiere. Demzufolge bleiben nur noch weitere acht Stunden für Schlaf, Essen oder sein soziales Leben.

Die Schattenseiten

Deshalb ist spielend Geld zu verdienen nicht für jeden der perfekte Traum. Es gibt eben auch eine Schattenseite des Pro-Playerstums. Für viele Spieler leidet gerade der soziale Alltag logischerweise enorm darunter. Wenn man bis zu 16 Stunden trainiert oder eben selbst nur 8-12, dann ist es kaum möglich für Hobbies, Freunde oder vielleicht einen Partner Zeit zu haben. Auch wenn man das Geld was die LCS-Spieler verdienen umrechnen würde, dann stellt man fest, dass nur die wenigsten von ihnen, ausgenommen Persönlichkeiten wie Søren "Bjergsen" Bjerg oder Michael "Imaqtpie" Santana, wirklich viel Geld verdienen, da sie viele Stunden Spielzeit täglich in ihren Beruf investieren. Man muss auch bedenken, dass die Spieler nicht einen normalen Beruf in der Zeit lernen, studieren oder Arbeitserfahrung sammeln. Sollte ein normaler Weg nach der Karriere eingeschlagen werden, muss diese fehlende Erfahrung wieder aufgeholt werden.

Trotzdem darf man niemals unterschätzen, dass die Person in der Zeit der professionellen Spielerkarriere seinen Traum gelebt hat. “Meiner Meinung nach wird seinen Traum zu verfolgen und die damit verbundene Aufopferung niemals vergeudete Zeit sein. Ich denke, dass viele Menschen diese Hingabe und harte Arbeit mehr wertschätzen sollten”, sagte Blizer300. Er verriet außerdem, dass er es bevorzugt etwas zu tun was er liebt, als einen Job zu haben, den er hasst. Ist diese Haltung blauäugig oder sollte diese Aufopferung gerade im eSports Bereich mehr Aufmerksamkeit erlangen? Denn schließlich würde vermutlich kaum einer meckern, wenn man jede Sekunde seiner Zeit in eine Sportart, die man liebt investieren würde?

Realistisch bleiben

Dadurch, dass der Beruf des professionellen Zockers so beliebt ist, kann es nun passieren, dass Elternteile mit dem exotischen Wunsch ihres Kindes konfrontiert werden. Esports ist nicht mehr einfach im dunklen Raum in eines Kellers zu sitzen, sondern viel mehr Lifestyle, wie jede andere Sportart auch. Es gibt Fans, Merchandising, Turniere, Ligen, Events und selbst eine Weltmeisterschaft. Sollte ein Kind den Wunsch äußern eSports Profi zu werden, sollte dies nicht negativ aufgefasst werden. Der Traum und das Ziel eines Kindes ist schließlich etwas sehr mächtiges. Eltern, Familie und Freunde sollten dementsprechend unterstützend handeln und nicht abweisend reagieren. Sich das Spiel erklären zu lassen und was alles stattfindet, um das Ganze möglich zu machen kann auch helfen hier Licht ins Dunkle zu bringen.

Trotzdem muss jedem anstrebenden eSportler bewusst sein, dass die Chance auf die erfolgreiche Profikarriere klein ist. Deshalb ist es wichtig, dass nicht sofort die Schule hingeschmissen wird, sondern man versucht so viel Zeit wie möglich nach seinem täglichen Pflichtprogramm in das Hobby zu investieren. Wenn man an einem Punkt ankommt, wo man oben mitspielt und die Möglichkeit für einen Test-Out besitzt bzw. Vertragsangebote bekommt, dann kann man sich überlegen, ob man nicht mehr Zeit investieren sollte. Vorher sollte man jedoch wirklich vorsichtig und realistisch an die Sache rangehen.

Martin "Rekkles" Larsson ist wohl einer der jüngsten kompetitiven Spieler in allen Regionen. Mit 13 Jahren fing er nach einer Knieverletzung beim Fußball an League of Legends zu spielen. Trotzdem ging er zur Schule bis zu dem Zeitpunkt, an dem er wusste, dass er groß rauskommen konnte in seinem Lieblingsspiel. Junge Talente sollten deshalb die Füße still halten, bis es realistisch betrachtet wirklich möglich ist eine eSports Karriere anzufangen. Die Familie hingegen, sollte offener mit dem Thema Online-Spiel umgehen und ihr Kind unterstützen, denn es ist in der heutigen Zeit nichts anderes mehr als eine Sportart im echten Leben.

Vier Tipps von YellOwStaR und Froggen

Als langjährige Veteranen in der EU LCS verraten euch YellOwStaR und Froggen ihre ganz persönlichen Tipps, um professioneller Spieler zu werden. Man darf nicht vergessen, dass auch diese Ratschläge dabei helfen sich im Spiel zu verbessern, sollte man nicht direkt eine Karriere in LoL anstreben.

Bora "YellOwStaR" Kim - Teamkapitän und Unterstützer von Fnatic:

  1. Habe immer die Entschlossenheit dich verbessern zu wollen: Wenn du spielst und du merkst, dass der Gegner besser ist als du, dann analysiere was er tut und wieso. Anstatt Fehler bei Anderen zu suchen, solltest du dich immer auf dich selbst konzentrieren und versuchen es besser zu machen. Falls du keinen Fortschritt siehst, frag’ dich warum und weshalb das so ist. Schau Videos von deiner Spielweise, um deine Fehler zu sehen und deine Fähigkeiten zu verbessern. Selbstkritik und eigene Schwächen zu sehen ist der Schlüssel zum Erfolg.
  2. Sei hartnäckig und positiv: Wenn du keinerlei Verbesserung siehst, bleib trotzdem positiv. Versuch Anderen zu helfen, wenn sie eine harte Zeit haben. Motiviere sie, denn schlechte Spiele hat jeder. Wenn du dazu neigst anderen die Schuld zu geben, dann ist es vermutlich, weil du gewinnen möchtest und versuchst immer dein Bestes zu geben. Aber aufgepasst: Lass das nicht zu einer schlechten Angewohnheit werden, eine gute Haltung im Spiel zählt viel!
  3. Harte Arbeit: Wenn du den Erfolg anstrebst, dann wirst du einiges an Zeit investieren müssen. Strategisch gesehen musst du als Teammitglied immer gewillt sein an deiner Kommunikation oder Übersicht über die Karte zu arbeiten. Analysiere mögliche Teamaufstellungen und regionale Unterschiede, um diese in die eigene Spielweise einzubinden. Wissen ist Macht und du wirst mehr vom Spiel verstehen. Fehler machen ist normal, versuche es immer wieder und gib nicht auf. Versuche dein Bestes zu geben, denn harte Arbeit zahlt sich am Ende immer aus.
  4. Genieße das Spiel: Hab Spaß am Spielen und mit wem du spielst. Sei sicher, dass dein Team ein Ziel hat was jedes Mitglied verfolgt. Es wird deine Arbeit um einiges leichter machen, ihr werdet zusammen schneller Erfolge erzielen, wenn jeder auf der selben Wellenlänge ist. Du tust etwas was du liebst und verdienst damit deinen Lebensunterhalt. Das ist das Beste was dir im Leben passieren kann und das sollte dir immer bewusst sein!

Henrik "Froggen" Hansen - Teamkapitän und Mid-Laner von Elements:

  1. Zeitmanagement: Du solltest in der Lage sein mindestens acht Stunden am Tag spielen zu können. Warum? Weil du in der Regel diese Zeit mit deinen anderen Teammitgliedern online verbringen wirst. Wenn du ein professioneller Spieler wirst musst du mehr Zeit als andere in das Spiel stecken. Solo-Rangliste ist nur der erste und leichte Schritt davon.
  2. Gute Haltung: Nimm euer Training ernst und respektiere deine Teammitglieder. Das wird die Übungszeit effektiver gestalten.
  3. Starke Champions zum Sieg: Spiel Champions, die im momentanen Meta mächtiger sind als andere, denn das macht das Spiel an sich leichter, wenn dein Team von Grund auf stärkere Champions benutzt.
  4. Bleibe ruhig: Schau immer nach vorne, sei bei klarem Verstand und denke über jeden Schritt nach den du tätigst, einfach nur eine Tötung zu erzielen lohnt sich nicht.

Drei Gründe gegen die große Karriere

Professioneller Spieler zu werden ist von vielen da draußen der große Traum. Jedem sollte aber klar sein, dass die Karriere dahingehend nicht immer leicht sein wird. Ein digitaler holpriger Weg, wobei viele Probleme nicht nur online, sondern vor allem auch im echten Leben entstehen werden.

1. Druck: Pro Spieler zu sein bedeutet unter ständigem Druck zu leben. Nicht nur von außerhalb wie aus der Community oder den Ansprüchen des Teams bzw. Organisation, sondern auch der Druck, seine eigenen Ziele zu erreichen. Natürlich möchte jeder der Beste sein oder es zu mindestens versuchen. Zu realisieren, dass es bessere Spieler gibt, ist der erste Schritt zur Verbesserung, aber trotzdem kann man an einen Punkt ankommen wo man feststellt, dass man es nicht schafft besser als Spieler X zu werden.

Zach "Nien" Malhas oder Ainslie "maplestreet8" Wyllie, beides Spieler aus Nordamerika, durften am eigenen Leib erfahren wie es ist unter dem Druck eines Profis zu stehen. Beide waren keine Top-Spieler, dennoch gehörten sie zum Bestandteil der NA LCS. Nien stand auf etlichen Social Media Kanälen und auf Reddit in der Kritik. Diese ist nicht immer konstruktiv, sondern oftmals, wie in seinem Fall, unter der Gürtellinie. Solch "immense Kritik aus der Community an seiner Spielweise und allgemein gegen seine Person" haben ihn schleichend immer mehr in die Ecke gedrängt. Er fühlte, dass "gerade diese ihn mental angegriffen hat und sein Selbstvertrauen zerstörte". Dadurch konnte er nicht mehr so spielen, wie er es wollte, und entschied sich seine Karriere bei CLG aufzugeben.

In der Öffentlichkeit zu stehen bedeutet, dass man sich ein dickes Fell zulegen sollte. Sonst kann es schnell passieren, dass dieser Druck einen persönlich zerfrisst. Dementsprechend ist das Leben eines Pro Players keineswegs etwas für Zartbesaitete. Nien versucht mittlerweile wieder in die NA LCS zu gelangen. Maplestreet8 hingegen ist dies mit Team 8 gelungen.

2. Nicht gut genug zu sein: In jeder Region gibt es Millionen von Spielern, aber nur ein Bruchteil von ihnen kommt in den Genuss des Status Pro Players. Wenn man sich die Rangliste der Herausforderer- oder Meisterspieler anschaut stellt man fest, dass es hier nur wenige Hunderte gibt und die höchste Liga auf 200 Plätze begrenzt ist. Um Oben mitzuspielen reicht es nicht aus im Diamantbereich zu sein. Selbst diese Liga besitzen statistisch gesehen nur die wenigsten Spieler. Die Konkurrenz ist enorm und gerade als neuer Spieler in der Herausfordererklasse müsste man Anderen auffallen, um erst einmal ins Gespräch zu kommen bei den richtigen Leuten, die die Karriere fördern könnten. In der EU LCS spielen zehn Teams mit. Das bedeutet, dass rund 50 Spieler davon im Herausfordererbereich spielen. 150 andere spielen zwar auf höchstem Niveau, haben trotzdem nicht die Chance bei einer großen Organisation mitzuwirken. Nicht gut genug zu sein ist deshalb ein wichtiger Faktor, denn selbst wenn man zu den besten <0,1% gehört, dann garantiert es noch lange nicht einen Platz in der LCS und das sollteman sich vorher klar machen. Eine ordentliche Portion Glück spielt eben auch hierbei mit.

3. Anerkennung Familie & Freunde: Die Vorurteile sind selbst im Jahr 2015 noch stark zu spüren. Wenn man sich entscheidet E-Sports Profi zu werden, dann muss man sich vorher verdeutlichen, dass man ein dickes Fell braucht und das nicht für die Beleidigungen von anderen Spielern, sondern eben ständig im wahren Leben mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Für gerade viele Eltern oder Großeltern ist es anfangs noch schwer sich so etwas vorzustellen, weil es für sie nichts greifbares ist. Erst wenn wirkliche Erfolge erzielt werden, dann kann es passieren, dass die Familie einen erst unterstützt wie im Falle von Gao "Gogoing" Di-Ping, der zwischenzeitlich sogar zu Hause rausgeflogen ist.

Wissen, was man will

Alles in Allem muss jeder selbst entscheiden in welche Richtung seine Zukunft verlaufen soll. Nach einer eSports Karriere kann man eben auch anfangen Vollzeit zu streamen oder selbst für eine Organisation arbeiten. Ein Beispiel hierfür ist Martin "Deficio" Lynge, der nicht nur Manager/Coach, sondern vorher auch Spieler war und nun als Caster für Riot tätig ist. Auch Mitch "Krepo" Voorspoels, ehemaliger EU und NA Spieler, sieht man immer öfter am Analystentisch wie bei Worlds oder in der ersten Woche der 2015 EU LCS Saison. Dementsprechend stehen die Türen offen, wenn man als Spieler neugierig während seiner Profizeit ist und gerne über den Tellerrand hinausschaut. Es ist wichtig, dass der Spieler sich im Klaren ist, das die Karriere irgendwann auch endet. Wenn man dies stetig im Hinterkopf behält und um seine Person eine eigene Marke baut, dann ist es kein Problem auch später einen Job in der Branche zu haben.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Lohnt es sich auf eine Karriere als eSportler zu pokern oder sollte man unverblümt an die Sache rangehen?

Falls ihr euch selbst einmal persönliche Ratschläge von den LCS Spielern holen wollt, dann habt ihr bei den Fanmeetings im LCS Studio die Möglichkeit dazu. Im Ticketshop findet ihr Eintrittskarten für die kommenden Wochen 4-7.


3 years ago