Champion-Einblicke: Aurelion Sol

von fizzNchips

Aurelion Sol wurde immer wieder fallengelassen und wiederaufgenommen – und das über Jahre hinweg, wenn man bis zu seinen Anfängen zurückgeht. Wir haben die Probleme mit Ao Shin schon angesprochen – hier geht’s zum Post – aber Folgendes ist passiert, nachdem wir uns zurück ans Zeichenbrett gesetzt und den kosmischen Erschaffer neu designt haben, damit er endlich nach Runeterra kommen konnte.

Anmerkungen zum Design von Luke Rinard aka Rabid Llama
Anmerkungen zu den Illustrationen von Gem Lim aka Lonewingy
Anmerkungen zur Geschichte von Matt Dunn aka FauxSchizzle




Trotz früherer Schwierigkeiten hat uns schon immer die Idee gefallen, einen coolen Drachen als Champion einzubauen, also mussten wir uns erstmal auf Thematik und Stil des Drachens einigen. Wir probierten mit Thematiken wie Rauch und Erde für den Drachen herum und packten ihn in ein paar der Runeterra-Fraktionen. Aber egal, ob wir ihn in noxianische Ausrüstung, Hextech-Stoffe oder ionische Mode steckten, es fühlte sich nie richtig an – unser Drache passte nicht wirklich nach Runeterra. Wir hatten etwas noch Größeres im Sinn und bekamen vom Grundlagen-Team neue Illustrationen zugeschickt. Das Grundlagen-Team besteht aus Riot-Leuten, die zu dieser Zeit bereits im Begriff waren, Design und Hintergrundgeschichte des Targons zu überarbeiten.

Es machte sofort Klick. Statt unseren Drachen in eine der bereits bestehenden Fraktionen zu zwängen, konnten wir ihn aus dem Universum kommen lassen, das jenseits von Runeterra existiert! Der Targon stellte bereits eine Art Brücke zwischen Runeterra und der himmlischen Welt dar – insbesondere in Hinsicht auf Leona und Diana – also ergab es Sinn, unseren Champion mit ihm in Verbindung zu bringen. Aber vor allem konnten wir ihn riesig machen, riesiger als alles andere, an dem wir bisher gearbeitet hatten. Und mal ehrlich: Wenn es um einen Drachen geht, dann muss es schon episch sein.


Drachen-Mechaniken


Die Grundlagen waren also geschaffen. Nun überlegten wir uns, wie genau ein Drache aus dem All in eine Partie League of Legends passen würde. Würde er mit seinem Schwanz angreifen? Würde er fliegen können? Sollte er Flügel haben? Schuppen? Würde er Feuer speien können? Das waren die Fragen, die wir beantworten mussten, also bastelten wir eine Demo-Version des Drachen zusammen und schickten ihn in die Kluft.

    Deshalb probierten wir mit anderen Körperformen herum und ließen uns vom Nachthimmel inspirieren. Wir gestalteten unseren Drachen nach dem Vorbild eines Kometen, mit leuchtendem, brennendem Körper und verblassendem Schweif.

Noch bevor wir alle Fähigkeiten zusammen hatten, gaben ihm seine Form und Größe Eigenschaften, die sich mit der Art Champion, die wir erschaffen wollten, schwer vereinbaren ließen. Der Schwanz des Drachen schlängelte ihm anfangs hinterher und machte es für Gegner sehr einfach, ihn mit Skillshots anzugreifen. Dieses Design behielten wir erstmal und dachten dabei an einen zähen Champion, weil seine Form das nahelegte. Aber irgendwie entsprach er so nicht der magischen Fantasie eines Drachens aus dem All. Außerdem verursachte sein Schwanz seltsame Grafik- und Gameplay-Probleme. Er sah nun eher wie eine Schlange aus und nicht mehr wie ein Drache. Darüber hinaus konnte er im Gebüschbereich der oberen Lane seinen Kopf in ein Gebüsch stecken, während sein Körper offen hervorstand und sein Schwanz bis ins nächste Gebüsch reichte. Was hätte das für die Sichtbarkeit im Spiel bedeutet? Deshalb probierten wir mit anderen Körperformen herum und ließen uns vom Nachthimmel inspirieren. Wir gestalteten unseren Drachen nach dem Vorbild eines Kometen, mit leuchtendem, brennendem Körper und verblassendem Schweif. Unser Drache würde einen festen, mit Sternen übersäten Körper haben und nach hinten hin immer durchscheinender werden, je näher man seinem jetzt wesentlich kürzeren Schwanz kam.







Das Feedback darauf war nicht übel. Wir befanden uns auf dem richtigen Weg. Als Nächstes überlegten wir uns, wie unser Drache dann im Spiel aussehen soll. Wir waren uns bewusst, dass es weltweit viele verschiedene Interpretationen des Drachen gibt (in der westlichen Mythologie sind es riesige, fliegende, feuerspeiende Biester, in der östlichen eher schlangenartige Wasserwesen). Wir wollten versuchen, uns in einem Zwischenraum zu bewegen, ohne uns auf eine Seite zu schlagen. Zur gleichen Zeit fingen wir an, uns Gedanken um den Charakter des Drachen zu machen. Die Vorstellung von einem riesigen Drachen aus dem All war schön und gut, aber wer war er? Wie konnten wir dieses potenziell galaxiegroße kosmische Wesen in unsere Welt bringen, ohne dass es unrealistisch wirkte? Wie und warum interagiert er mit den Bewohnern Runeterras?


Unser Drache, der Rockstar


Was war dieser gigantische Drache aus dem All genau? Wir fingen an, über das Weltall nachzudenken und was dieser Drache dort überhaupt machte. Nach ein paar verworfenen Ideen fingen wir an, ihn uns als himmlischen Erschaffer vorzustellen, jemanden, der auf seinen Reisen an den Grenzen des Raums im wahrsten Sinne des Wortes ganze Galaxien erschuf. Statt eines Rek’Sai-artigen Ungeheuers sollte er ein Künstler sein – ein herrliches, magisches Geschöpf, das über Jahrtausende hinweg die Sternbilder am Nachthimmel erschaffen hatte. Die Idee passte gut mit seinem voranschreitenden Design zusammen, also machten wir damit weiter. Aber wir brauchten einen Funken, einen Moment, der uns aus den Socken haute. Sein Charakter sollte das gewisse Etwas haben. Also haben wir seiner Herrlichkeit auch etwas Prahlerisches mitgegeben.

    Aber wir brauchten einen Funken, einen Moment, der uns aus den Socken haute. Sein Charakter sollte das gewisse Etwas haben.

Irgendwie hatten wir dabei auch David Bowie im Kopf. Er hatte alles, was wir für unseren Drachen brauchten: Er war ein Künstler, verfügte über eine gewisse mühelose Fabelhaftigkeit und war schlichtweg großartig. Sein Alter Ego Ziggy Stardust passte natürlich auch hervorragend. Wir dachten an einen selbstzufriedenen und überheblichen Drachen, aber, und das ist wichtig, einen, der damit auch durchkommt. Stell dir vor, irgendein Typ kommt auf dich zu, behauptet, der größte Musiker aller Zeiten zu sein, setzt sich ans Klavier und haut ein weltveränderndes Meisterwerk raus. Du würdest vermutlich mit den Schultern zucken und denken „Japp, der hat’s drauf“, oder? So sollte man auch von unserem Drachen denken, aber statt in die weißen Tasten zu hauen, sollte er ganze Galaxien erschaffen. Stell dir mal sein Ego vor! Er könnte der herablassendste und eingebildetste Lackaffe überhaupt sein, aber du würdest ihn trotzdem lieben, weil er einfach ganz schön was auf dem Kasten hat. Natürlich war auch sein Name sehr wichtig. Wir konnten die eindrucksvollste Figur unseres Universums nicht „Steve“ oder „Gary“ nennen – er brauchte einen viel spektakuläreren Namen. Wir experimentierten eine Weile mit Namen herum und kamen dann auf den Namen, den ihm die Targonier gegeben hatten. Er klang nach einem Künstler, hatte etwas Pompöses an sich und war einfach … eindrucksvoll: Aurelion Sol.

Jetzt wussten wir also, wer er war, aber nun folgte die nächste Frage – warum? Warum gab es ihn? Hier kommt der Targon ins Spiel. Wir dachten über potenzielle Verbindungen zwischen den beiden nach und kamen darauf, dass er sich wunderbar mit den Geschichten der Aspekte verbinden ließe. Wir entwarfen eine Geschichte, die Aurelion Sol als stolze Kreatur darstellte, die von den Targoniern eine Krone bekommen hatte. Sie gaben vor, damit seiner Großartigkeit Tribut zu zollen, wollten ihn jedoch in Wahrheit in ihre Dienste zwingen. Er wurde im Prinzip Opfer seiner eigenen Überheblichkeit und führte die Befehle der Targonier aus, bis er endlich einen Grund fand, nach Runeterra zu kommen: um sich selbst zu befreien. Wir wollen hier nicht seine ganze Geschichte erzählen, aber sie passt perfekt mit seinem Charakter zusammen.



    Hier kommt der Targon ins Spiel. Wir dachten über potenzielle Verbindungen zwischen den beiden nach ...

Der Sternenbieger


In der Zwischenzeit experimentierte Luke mit Aurelion Sols Fähigkeiten herum, um mit CertainlyT einen Weg zu finden, ihn ins Gameplay einzufügen. Uns war klar, dass ein Drache mächtige magische Kräfte haben musste, aber er sollte kein „Magier im Drachenkostüm“ (RiotWrekz’ Formulierung) werden. Die Idee war, ihn einen einzigartigen Platz in den Reihen der Magier einnehmen zu lassen, also konzentrierten sie sich auf flüssige Bewegungen und die eleganten Schwünge seines Schwanzes. Das führte (letztlich) zu den kreisenden Sternen, die ständige Bewegung erfordern, um sein Ziel in perfekter Reichweite zu halten. Sterneneruption fügte noch einen spannenden Aspekt hinzu, weil es Aurelion Sols kontinuierliches Hin und Her in einen Sprint in Richtung Gefahr verwandelte. Bei Legendärer Komet ließ sich CertaintlyT von der Idee leiten, dass sich Fliegen wie eine Belohnung anfühlen sollte. Also musste es erst verdient werden. Wir stellten fest, dass es sich extrem gut anfühlte, auf einer Startbahn Anlauf zu nehmen und dann abzuheben, während Aurelion Sols Gegnern dabei gleichzeitig die Möglichkeit bleibt, seinen Start zu unterbrechen. Fähigkeit für Fähigkeit entwickelten wir langsam Aurelion Sol dahingehend, dass sein Fähigkeitenset seiner epischen Hintergrundgeschichte und seinem grandiosen Design entsprach.



    Uns war klar, dass ein Drache mächtige magische Kräfte haben musste, aber er sollte kein „Magier im Drachenkostüm“ (RiotWrekz’ Formulierung) werden.

Die Fertigstellung des Erschaffers


    Wir wussten, dass sein Schwanz viel kleiner als sein Kopf ausfallen würde, aber entschieden uns dafür, die Körperlichkeit seiner vorderen Hälfte zu benutzen, um die Macht der targonischen Krone über ihn zu zeigen.

Wir begannen damit, Aurelion Sol den letzten Schliff zu verpassen. Wir überarbeiteten sein visuelles Design und animierten ihn so, dass er weniger einem Wasserwesen glich. Dann retuschierten wir sein Gesicht, damit er weniger wie ein Monster wirkte und stattlicher aussah. Danach kam seine Krone, die wir auch in seinem Gameplay zum Einsatz kommen lassen konnten. Wir wussten, dass sein Schwanz viel kleiner als sein Kopf ausfallen würde, aber entschieden uns dafür, die Körperlichkeit seiner vorderen Hälfte zu benutzen, um die Macht der targonischen Krone über ihn zu zeigen. Im Gegenzug bekam das Innere des Schwanzendes Sterne verpasst. Das betonte die immense Größe des Drachen und zeigte gleichzeitig, wo Spieler ihre Skillshots ansetzen mussten, wenn sie gegen ihn kämpften, und wo nicht. Magie. Zuletzt suchten wir einen Synchronsprecher aus und begaben uns ins Tonstudio, um Aurelion Sols Text aufzunehmen. Das Schreiben seiner Zitate war kein Problem – Aurelion Sol hatte viel zu sagen, insbesondere anderen Champions gegenüber – aber irgendwie kamen sie nicht richtig rüber. Nach ein paar Aufnahmen schlugen wir einen etwas … ungewöhnlicheren Weg ein. Wir wollten, dass der Synchronsprecher während des Einlesens mit Jazz-Händen wackelte. Das funktionierte wunderbar und nach den Aufnahmen war unser herrliches Wesen endlich bereit, seinen Weg in die Kluft anzutreten.


3 years ago


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