Champion-Bewertung Vladimir Geschrieben von Administrator am Thu, 07/29/2010 - 23:00

Es ist mal wieder an der Zeit, zu schauen, wie unser neuer Champion in die Welt von Runeterra und in die Liga passt. Hier ist die Champion-Bewertung von Vladimir.

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CHAMPION-BEWERTUNG
Kandidat: Vladimir
Datum: 27. Juli, 20 CLE

BEOBACHTUNG

Vladimirs Bewegungen sind zielgerichtet, sein langes Haar und seine Robe wallen auf dramatische Weise hinter ihm her, während seine wohlüberlegten Schritte ihn seinem Ziel schnell näher bringen. Die Absätze seiner polierten Stiefel sind auf dem Marmor der Hallen der Kriegsakademie deutlich zu vernehmen – ein unwillkommener Krach in der sonst so beklemmenden Stille. Er erspäht sein vor ihm liegendes Ziel: eine große, steinerne Tür.

Das majestätische Auftreten unseres Gastes ist ein Schwindel, eine Falle für diejenigen, die töricht genug sind, nicht unter die Oberfläche zu blicken. Das perfekt gepflegte Haar, die extravagante Kleidung, die manikürten Nägel … diese Zeichen der Aristokratie sind unecht. Wer wahrlich scharfsinnig ist, wird sich von dieser Scharade nicht täuschen lassen. Angefangen bei seinen grausamen, kantigen Zügen bis zu dem lasterhaften und doch majestätischen Geschmeide, das seine Fingerspitzen schmückt, gibt es keinen Zweifel: Dies ist ein Raubtier.

Vladimir hält einen Moment inne, als er eintritt und genießt den Augenblick. Er bewundert die Handwerkskunst mit unstetem, begehrlichem Blick. Ein Paar Panther im Relief des marmornen Torbogens stehen Wache, ihre Geschmeidigkeit gereicht dem Talent ihres Künstlers zur Ehre. Eine oben angebrachte Inschrift kündet sein Ziel an: „Der wahre Gegner lauert im Inneren“. Er streckt die Hand aus und streicht sachte über den polierten Stein. Durch seine Berührung öffnen sich die Türflügel, um dann leise aufzuschwingen. Hinter ihnen liegt Schwärze. Vladimir leckt sich über seine dünnen Lippen und huscht hinein.

BETRACHTUNG

Vladimir stand in der Dunkelheit der Spiegelkammer. Einen Moment lang gab es nur die Stille und das erwartungsvolle Schlagen seines Herzens. Dann war ein Flüstern zu vernehmen.

„Vladimir, mein Kind“, erklang eine Stimme aus der Schwärze. Er erkannte sie im selben Augenblick und seine Haare sträubten sich. Aus der Dunkelheit schritt eine andere Gestalt auf ihn zu, von ähnlicher Statur, doch im einfacheren Gewand eines Mönchs gekleidet. Sein aschfarbenes Haar wetteiferte mit der ungesunden Blässe seiner Haut. Seine Augen waren blutrot.

„Dmitri?” fragte Vladimir ungläubig, „Aber Meister, Ihr seid tot. Ich habe euch getötet.“

Die Gestalt warf ihren Kopf zurück und heulendes Gelächter ertönte. „Ich kann nicht tot sein, Vladimir. Ich bin ein Teil von dir.“ Wie als Antwort löste sich der Körper des Mönchs in feinen, roten Nebel auf. Der metallische Geruch von Blut erfüllte die Luft. Vladimir schloss seine Augen und atmete tief ein, die warmen Schwaden umhüllten ihn, um ihn willkommen zu heißen.

Das Geräusch pfeifenden, schwerfälligen Atmens erweckte ihn aus seinem Tagtraum. Seine Augen schnappten auf und erblickten eine Lichtung in einem ruhigen Wald. Sein Herz raste vor Aufregung. Zu seinen Füßen lagen zwei verstümmelte Gestalten – die eine reglos, die andere nach Luft ringend – beide blutüberströmt. Erstaunt betrachtete sich Vladimir selbst. Er war ein Junge von nicht mehr als fünfzehn Jahren. In seiner rechten Hand hielt er ein Jagdmesser fest mit einem steinharten Griff umklammert – so fest, dass der Griff ihn sogar schon geschnitten hatte. Sein feines Gewand war überall scharlachrot besudelt. Er kannte diesen Augenblick. Dies waren seine Spielgefährten. Dies waren seine Ersten.

Die verstümmelte Gestalt kroch auf ihn zu, schaute in einer Mischung aus Trauer und Fassungslosigkeit zu ihm auf. Der Ausdruck wandelte sich in Hass. Eine Hand schnellte hervor, umfasste seinen Stiefel. Vladimir schreckte zurück, entzog sich dem Griff und taumelte rückwärts von dem sterbenden Kind weg. Der Junge öffnete seinen Mund, als wolle er schreien, doch kein Wort verließ seine Kehle. Stattdessen ergoss sich ein Strom Blutes von seinen Lippen in den Schmutz. Er streckte einen anklagenden Finger in die Richtung seines Mörders. Vladimir ließ sein Messer fallen und die Dunkelheit nahm ihn auf.

Einen Moment später stand er am Fuße eines Bergpfads im Schatten eines großen Gebäudes. Vor ihm, auf einen Dorn gespießt, hing eine blasse Leiche. Unter ihr sammelte sich in einem von einfachen Werkzeugen in den Fels gehauenen Becken eine Blutlache. Er schaute auf und hob eine Hand, um sein im Wind brennendes Gesicht abzuschirmen. Der Pfad vor ihm bot diesen Anblick noch etwa ein Dutzend Mal in gleichmäßigen Abständen entlang des Weges. Er spürte, wie sich sein Puls auf die ihm nun schon vertraute Weise beschleunigte. Der Nervenkitzel überwältigte jeden Anflug des Grauens, als er dem Bergpfad nach oben folgte.

Vladimirs Spannung wuchs beständig an, während er, von der Spur blutleerer Körper geleitet, die Räume des uralten Bauwerks durchstreifte. Schließlich erreichte er eine große Halle. Rings um ihn herum hingen die Verstorbenen, ihr Lebenssaft in Lachen unter ihnen gesammelt. Vor dieser entsetzlichen Szenerie stand ein Mönch in einer Robe, das glatte, weiße Haar aus seinem Gesicht gestrichen. Seine blutroten Augen leuchteten bedrohlich vor dem Hintergrund seines blassen, unerbittlichen Gesichts, als er dem verzückten Reisenden zuwinkte.

Vladimir schritt unerschrocken und von dem Anblick entzückt auf ihn zu, die Augen fest auf den Mann vor ihm gerichtet. Der Mönch starrte neugierig zurück. „Hast du keine Angst, Junge?“ fragte er interessiert. Vladimir schüttelte wortlos den Kopf, ohne seinen Blick von dem Mönch zu lösen.

„Ich sehe, was du bist.“ fuhr der Mönch fort. „Du bist ein Unheilsbote, mein Kind. Ein Blutroter Schnitter, gekommen, um zu ernten.” Er lächelte grimmig, gefolgt von schallendem Gelächter. „Wie ist dein Name, junger Freund?“

„Man nennt mich Vladimir”, stammelte der Verblüffte.

„Du bist nun mein Schützling, Vladimir”, antwortete die ältliche Gestalt lächelnd. „Enttäusche mich nicht.“

Vladimir starrte tief in die Augen seines Mentors. Der Anblick ließ das Blut in seinen Adern gefrieren. Er hatte diesen Mann getötet. Er hatte sein Blut genommen. Und Dmitri hatte ihn dazu aufgefordert, ihm sogar mit dem Tode gedroht, wenn er sich weigerte. Der Raum um ihn herum verdunkelte sich einmal mehr und ließ ihn erneut mit dem Phantom seines Meisters allein. Der Mönch faltete seine Arme über seiner Brust. „Weshalb möchtest du der Liga beitreten, Vladimir?“ fragte Dmitri erwartungsvoll.

„Ich möchte meinem edlen Haus Ehre einbringen und meine Fertigkeiten verfeinern“, gab Vladimir sogleich zur Antwort.

Die Erscheinung vor ihm brachte ein amüsiertes Lächeln hervor. „Weshalb möchtest du der Liga beitreten, Vladimir?“, wiederholte sie.

„Um zum Ruhme Noxus’, meines Heimatlandes, zu kämpfen”, antwortete Vladimir zögernd.

Dmitris Heiterkeit verschwand. Er schaute verärgert. „Weshalb möchtest du der Liga beitreten, Vladimir?“, erklang es erneut.

Vladimirs Gesicht verdunkelte sich. Diesmal antwortete er langsam: „Um zu töten.“

Der alte Mönch nickte. „Wie fühlt es sich an, seine Gedanken nicht verbergen zu können?” fragte er.

Vladimir entblößte seine Zähne. „Befreiend, wirklich“, konterte er. Wie als Antwort flog die Tür hinter ihm auf und tauchte ihn in Licht. Er war allein.

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